Über das Schreiben

Von der Idee zum Roman

"Hier herrscht ja gar kein kreatives Chaos", sagte eine Besucherin neulich, als sie in mein Arbeitszimmer lugte. Nee, tut es auch nicht. Tatsächlich bin ich relativ penibel und kann absolut nicht arbeiten, wenn um mich herum alles in Unordnung ist.

Entsprechend strukturiert gehe ich inzwischen auch die Arbeit an einem Roman an. Ich entwerfe zunächst ein grobes Handlungsgerüst, das ich nach und nach verfeinere, bis ich eine Abfolge von Szenen notiert habe. Ich sammle zu jeder Figur Merkmale und Eigenschaften. Für jede Hauptfigur schreibe ich einen Monolog, in dem sie sich über alle anderen Figuren im Roman auslässt. So wird mir klar, wie genau die Figuren in Beziehung zueinander stehen. Manchmal verpasse ich meinen Figuren auch einen wöchentlichen Stundenplan.

Inzwischen schicke ich den fertigen Bauplan an meine Agentin und spreche mit ihr über das Projekt, bevor ich anfange zu schreiben. Sie hat oft gute Ideen und sieht, wo die Handlung schwächelt oder wo es ein Logikproblem geben könnte.

Während des Schreibens muss ich meinen Bauplan natürlich immer mal überarbeiten, denn selbstverständlich entwickeln sich die Figuren mit der Geschichte weiter. Trotzdem hilft es mir ungeheuer, vorher zu wissen, wohin die Reise gehen soll.

Ich weiß, dass viele Autoren und Autorinnen einfach drauflos schreiben können. Ich kann es nicht. Ich habe es mehrfach versucht, denn natürlich kenne ich das auch, dass man eine Geschichte im Kopf hat und sie einfach nur aufschreiben möchte. Aber jedes Mal bin ich schnell an einem Punkt gelandet, an dem sich alle Fäden verheddert haben, an dem nichts mehr zusammenpasste, sodass ich mein Projekt schließlich aufgeben musste.

Wenn ich die Rohfassung einer Geschichte geschrieben habe, lese ich das Manuskript durch, korrigiere die auffälligsten Fehler und drücke sie dann meinen beiden Schwestern in die Hand. Beide sind klug, beide sind Vielleserinnen, beiden vertraue ich. Erst wenn die beiden mir ihr Feedback gegeben haben, überarbeite ich die Story gründlich.

Danach gebe ich das Manuskript endlich in "fremde" Hände. In Zusammenarbeit mit dem Verlag bzw. der betreuenden Lektorin wird die Geschichte dann nochmals überarbeitet und richtig rund.

Und erst dann dürfen sich "echte" Leserinnen und Leser darüber freuen.