Mehr über „Schlagerfeen lügen nicht“

Die Grundidee zu „Schlagerfeen lügen nicht“ entstand an einem Abend mit Freundinnen. Ich war die einzige liierte Frau unter lauter Singles. Und die einzige Frau in der Runde, die nicht bei Parship angemeldet war. Viele kleine Geschichten wurden erzählt. Geschichten darüber, wie manche Menschen sich in Partnerbörsen verstellen. Geschichten von missglückten Dates. Geschichten von enttäuschten Erwartungen. Als wir über eine besonders schräge Geschichte lachen mussten, waren sich auf einmal alle einig: „Darüber musst du eigentlich mal einen Roman schreiben, Karin.“

Als ich anfing, näher über das Thema Onlinedating nachzudenken, wurde schnell klar: Ein Roman, der sich mit Onlinedating beschäftigt, würde automatisch ein Roman werden, in dem es um den gegenwärtigen Zwang zur Selbstoptimierung, besonders im Internet, geht. Um den Zwang, grundsätzlich ein wunderschönes Bild von sich zeichnen zu müssen. Und natürlich wollte ich zeigen, wie wenig solche wunderschönen Bilder bringen, wenn jemand auf der Suche nach einer echten Beziehung ist.

Ich brauchte also eine Heldin, die ihre vermeintlichen Schwächen zunächst vor aller Welt verbirgt, im Verlauf der Handlung aber erkennt, dass ihre Schwächen eigentlich ihre Stärken sind: Tinka, die Schlagersängerin für Senioren. Tinka, die Schlagerfee.

Tinkas Berufswelt kenne ich übrigens selbst ein bisschen. Seit einigen Jahren bin ich eine sehr regelmäßige Seniorenheim-Besucherin, weil mehrere ältere Verwandte und Bekannte dort eingezogen sind. Von Zeit zu Zeit nehme ich meine Gitarre mit in die Wohngruppen und wir singen gemeinsam. Meistens singen wir Volkslieder, im Advent natürlich Weihnachtslieder. Die Textsicherheit der Seniorinnen und Senioren haut mich regelmäßig um!

Außerdem habe ich schon öfter mit meinem A-cappella-Ensemble in Seniorenheimen gesungen. Bei diesen Auftritten kamen besonders die heiteren alten Schlager super an. Ich habe also schon oft erfahren, wie belebend Musik gerade auf sehr alte Menschen wirken kann. Und ich denke jedes Mal, wenn ich diese Erfahrung mache, dass man eigentlich in allen Senioreneinrichtungen regelmäßig Musik machen müsste.

Die Seniorenheime in „Schlagerfeen lügen nicht“ sind also nicht unbedingt Seniorenheime, wie ich sie kenne, sondern eher Seniorenheime, wie ich sie mir wünsche.