Mehr über „Landeierforschung“

Mein Mann kommt aus einem 500-Seelen-Nest, das weitab jeder Großstadt liegt und wo – wirklich! – jeder jeden kennt, viele miteinander verwandt sind und alle alles übereinander wissen. Als er mich vor 23 Jahren zum ersten Mal in sein Heimatdorf mitnahm, empfand ich diesen Besuch wie eine Expedition in eine fremde Welt. Ich wurde tatsächlich mit ganz neuen Sitten und Gebräuchen konfrontiert. Und mit einem neuen Typ Mensch. Das echte Dorfleben hatte ich bis dahin nie kennengelernt: Obwohl ich selbst in einer ländlich geprägten Umgebung, nämlich bei Paderborn, aufgewachsen bin, war ich immer eher ein Stadtkind. Nicht in meinem Heimatort, sondern in der Stadt habe ich gelernt, gefeiert und gearbeitet. Inzwischen habe ich unzählige Male Freunde und Verwandte auf dem Land besucht und etliche Schützenfeste mitgefeiert und mein Blick auf das Dorfleben hat sich über die Jahre gewandelt. Inzwischen sehe ich nicht mehr langweiliges Grün, sondern tolle Wandermöglichkeiten, wenn ich „raus aufs Land“ fahre. Traditionspflege finde ich nicht mehr spießig sondern richtig und wichtig. Und den engen Kontakt der meisten Dorfbewohner untereinander empfinde ich nicht mehr grundsätzlich als bedrückend und aufdringlich sondern oft auch als herzlich und warm. Man wird eben älter… (und natürlich viiiel weiser ☺.)

In „Landeierforschung“ verändern Anne und Mike ebenfalls ihren Blick auf das Landleben, allerdings brauchen sie dafür nicht wie ich Jahre, sondern nur wenige Tage. Ben, der knackige Reitlehrer, und Nicki, die unkonventionelle Lehrerin, sind an dieser raschen Wandlung natürlich nicht ganz unschuldig… Und auch wenn während ihrer Provinzreise vieles neu, kurios, amüsant oder fremd erscheinen mag – am Ende stellen Anne und Mike fest, dass das Glück weder in der Stadt noch auf dem Land zu finden ist, sondern einfach dort, wo Menschen leben, die zu einem passen.

Alle Figuren und Orte in „Landeierforschung“ sind übrigens frei erfunden. Wirklich lustig finde ich aber, dass mich inzwischen schon viele Leserinnen gefragt haben, ob ich diesen Typen oder jene Besonderheit aus ihrem Heimatdorf „geklaut“ hätte. Habe ich nicht, ich schwör’s.

Und wenn irgendeine Ähnlichkeit gar zu frappierend ausfällt, dann war es garantiert ein Versehen!